Swiss Karate Federation

Karate: Neue Chance für Brisbane 2032

Am WKF-Weltkongress in Bielsko-Biała stand die mögliche olympische Rückkehr des Karate im Fokus. Das neue IOC-Evaluationssystem eröffnet eine Perspektive für Brisbane 2032.

Im Rahmen der Weltmeisterschaften der Cadets, Juniors und U21 erläuterten WKF-Präsident Antonio Espinós und CEO Sara Wolff den Delegierten das neue Auswahlverfahren. Nach den Ausführungen am Kongress gehört Karate zu den zehn Sportarten, die eine Chance auf Aufnahme haben. Damit bleibt die olympische Rückkehr ein konkretes Ziel – entschieden ist darüber noch nicht.

Ein neues Verfahren für das gesamte Programm

Das IOC hat im Juni 2026 eine grundlegende Änderung beschlossen, die erstmals für Brisbane 2032 zur Anwendung kommt: Künftig werden einzelne Disziplinen bewertet. Dadurch lassen sich ihre Anforderungen an Wettkampfstätten, Organisation und Kosten genauer berücksichtigen. Auch bereits olympische Disziplinen werden überprüft.

Die Evaluation erfolgt in drei Stufen. Zunächst werden die Grundvoraussetzungen geprüft. Dazu gehören eine verantwortungsvolle Verbandsführung, Integrität, die Einhaltung der Anti-Doping-Vorgaben und der Schutz der Athlet*innen. Anschliessend bewertet das IOC die weltweite Attraktivität, die Kosten und die organisatorische Komplexität sowie die Repräsentation der Athlet*innen. In der dritten Stufe werden überzeugende neue Kandidaten direkt mit schwächer bewerteten bestehenden Disziplinen verglichen. Der bisherige olympische Status bedeutet damit keine automatische Garantie für einen Verbleib im Programm.

Tokio als wichtige Grundlage für Karate

Für Brisbane gelten besondere Zulassungsregeln. IOC-anerkannte Verbände, deren Disziplinen noch nicht im Gastgebervertrag enthalten sind, können im IOC-Verfahren berücksichtigt werden, wenn sie über einen Gastgebervorschlag bereits Teil des Programms von Tokio 2020, Paris 2024 oder Los Angeles 2028 waren. Die früheren Evaluationen bilden dafür eine wichtige Informationsgrundlage. Karate erfüllt durch seine Teilnahme in Tokio 2020 grundsätzlich diese Voraussetzung. Die damalige Aufnahme erhält damit für die Bewerbung um Brisbane neue Bedeutung: Sie eröffnet den Zugang zur Evaluation, nimmt deren Ergebnis aber nicht vorweg.

Zusätzlich bleibt ein zweiter Weg bestehen: Das Organisationskomitee von Brisbane kann dem IOC weitere Disziplinen vorschlagen. Der neue Rahmen sieht für Sommerspiele höchstens vier zusätzliche Disziplinen vor; die volle Kostenverantwortung liegt beim Gastgeber.

Eine Strategie mit sportlicher und gesellschaftlicher Wirkung

Um diese Perspektive zu nutzen, hat die WKF eine Strategie entwickelt, die sportliche Attraktivität, moderne Verbandsstrukturen und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Eine wichtige Grundlage bilden die laufend weiterentwickelten Organisationsstrukturen, die inzwischen den internationalen Vergleich mit anderen Sportverbänden bestehen können. Ergänzend setzt der Weltverband auf eine gezieltere Social-Media-Kommunikation, einen weiterentwickelten visuellen Auftritt und die Förderung sozialer Projekte. Damit will die WKF die Stärken des Karate umfassender sichtbar machen: seine weltweite Verankerung und sportliche Attraktivität ebenso wie seinen pädagogischen Wert und seine gesellschaftliche Bedeutung. Karatetraining kann jungen Menschen einen Raum bieten, in dem sie Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen und respektvolles Miteinander erleben. Soziale Projekte sollen dieses Potenzial aufzeigen und praktisch nutzbar machen.

SOS-Kinderdörfer: Die Schweiz als eines von acht Pilotländern

Das jüngste Vorhaben in diesem Bereich ist eine Zusammenarbeit mit SOS-Kinderdörfer. Acht Länder wurden ausgewählt, um die Kooperation im Rahmen von Pilotprojekten aufzubauen – darunter die Schweiz.

Derzeit führen SOS-Kinderdorf Schweiz und die Swiss Karate Federation Gespräche darüber, wie Karatetraining junge Menschen aus schwierigen Lebensverhältnissen unterstützen kann, die beim Einstieg in die Berufswelt begleitet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Training ihnen Halt, Zuversicht und neue persönliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten kann. Für die Schweizer Karatebewegung eröffnet sich damit die Gelegenheit, die internationale Strategie konkret mitzugestalten. Zugleich bietet die Zusammenarbeit die Chance, den gesellschaftlichen Wert des Karate im eigenen Umfeld erfahrbar zu machen und jungen Menschen den Zugang zum Training zu erleichtern.

Eine Chance, die überzeugend begründet werden muss

Für die WKF besteht die Aufgabe nun darin, den Mehrwert von Karate für die Olympischen Spiele nachvollziehbar aufzuzeigen. Weltweite Verankerung, sportliche Attraktivität und eine wirtschaftlich tragfähige Durchführung sind dabei zentrale Argumente. Die Weiterentwicklung des Verbandes und sein gesellschaftliches Engagement ergänzen dieses Profil. Der Weltkongress machte deutlich: Die Tür zu Brisbane 2032 steht offen. Ob Karate hindurchgehen kann, hängt vom weiteren Evaluationsprozess und den Entscheidungen über das olympische Programm ab. Für die internationale Karate-Gemeinschaft verbindet sich damit eine neue Perspektive – und der Auftrag, die Stärken ihres Sports im Wettkampf, in der Ausbildung und in der Gesellschaft überzeugend einzubringen.

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