Mit dem Pilotprojekt «Förderung des internationalen Austauschs» erprobte die Swiss Karate Federation erstmals eine institutionell unterstützte Zusammenarbeit zwischen Stilorganisationen, Leistungssport und BASPO. Das internationale IKGA-Seminar in Magglingen zeigte, wie sich traditionelle Karate-Werte und moderner Spitzensport gewinnbringend verbinden lassen.
Ausgangslage und Zielsetzung
Am 12. Dezember verabschiedete der Zentralvorstand einstimmig das Pilotprojekt «Förderung des internationalen Austauschs». Ziel des Projekts ist es, die Zusammenarbeit mit den Stilgruppen zu stärken und deren Beitrag zur Entwicklung des Breiten- und Leistungssports gezielt zu unterstützen.
Das Pilotprojekt wurde im Rahmen des internationalen Seminars der International Karate-Do Gojukai Association (IKGA) in Magglingen durchgeführt. Dafür konnte die Infrastruktur des Bundesamtes für Sport (BASPO) genutzt werden. Das kompetente und erfahrene Fachpersonal des BASPO unterstützte die Durchführung in zentralen Bereichen wie Infrastruktur, Hallenbetreuung, Technik, Unterbringung und Verpflegung. Dabei sollte geprüft werden, welchen Mehrwert eine solche institutionell unterstützte Zusammenarbeit für die Swiss Karate Federation (SKF), ihre Stilgruppen und die langfristige Entwicklung des Karatesports bietet.
Sportpolitischer Hintergrund
Die Zusammenarbeit zwischen internationalen Stilorganisationen und den von der World Karate Federation (WKF) geprägten Wettkampfstrukturen ist teilweise von unterschiedlichen Interessen und einem gewissen Konkurrenzdenken geprägt. Aus Sicht der SKF ist eine solche Gegenüberstellung wenig zielführend. Für die weltweite Entwicklung und nachhaltige Etablierung des Karatesports braucht es beide Seiten.
Die Stilorganisationen bewahren die technischen und kulturellen Grundlagen des Karate, entwickeln diese weiter und leisten einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung erfolgreicher Athletinnen und Athleten. Durch die vertiefte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Stilrichtungen entstehen zudem wertvolle Impulse für die technischen Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere in der Disziplin Kata. Die WKF wiederum steht für den internationalen Wettkampf- und Spitzensport. Sie trägt wesentlich zur Weiterentwicklung des sportlichen Leistungsniveaus, zur Einbindung des Karate in das internationale Wettkampfgeschehen und zur Vertretung gegenüber internationalen Sportorganisationen bei.
Den grössten Nutzen für die Entwicklung des Karate sieht die SKF deshalb in einer konstruktiven Zusammenarbeit und einem gegenseitigen fachlichen Austausch. Die SKF möchte sich als Plattform positionieren, auf der sich die unterschiedlichen Perspektiven begegnen und gegenseitig befruchten können.
Umsetzung des Pilotprojekts
Vom 12. bis 16. August 2026 wurde dieser Ansatz im Rahmen des internationalen IKGA-Seminars in Magglingen erstmals konkret umgesetzt. Goshi Yamaguchi, Sohn des legendären Goju-Ryu-Meisters Gogen Yamaguchi, reiste aus Japan an, um den Teilnehmenden die überlieferten technischen und philosophischen Grundlagen des traditionellen Goju-Kai-Karate zu vermitteln. Begleitet wurde er von Ryonosuke Kikuchi, einem jungen Kata-Wettkämpfer und Mitglied des japanischen Kata-Teams.
Gemeinsam mit den erfolgreichsten europäischen Instruktorinnen und Instruktoren von IKGA Europe vermittelten sie ein breites Spektrum des Karate: von seiner Philosophie als lebenslangem Entwicklungsweg über die Bewahrung und Weitergabe traditioneller Fertigkeiten bis hin zu den technischen Anforderungen des internationalen Spitzensports auf höchstem Niveau.
Um den Austausch zwischen Stiltradition und modernem Wettkampfsport zusätzlich zu fördern, lud der Chef Leistungssport der SKF, Luca Rohner, Ryonosuke Kikuchi am Samstag, 15. August, zu einer Trainingseinheit mit der Schweizer Nationalmannschaft ein. Dabei erhielten die Kaderathletinnen und Kaderathleten wertvolle technische Impulse für ihre weitere Entwicklung im internationalen Kata-Wettkampfsport.

Erste Beurteilung und weiteres Vorgehen
Das Pilotprojekt kann in einer ersten Beurteilung als Erfolg gewertet werden. Es hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen einer internationalen Stilorganisation, der SKF, dem Leistungssport und dem BASPO einen konkreten fachlichen und organisatorischen Mehrwert schaffen kann. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie traditionelle Karate-Inhalte und moderner Spitzensport sinnvoll miteinander verbunden werden können.
Im Rahmen der Nachbearbeitung wird das Pilotprojekt systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse, Erfahrungen und Empfehlungen werden in einem Evaluationsbericht zusammengefasst. Auf dieser Grundlage soll das Modell weiterentwickelt und anschliessend auch anderen Stilgruppen innerhalb der SKF zugänglich gemacht werden. Damit verfolgt die SKF das übergeordnete Ziel, internationale Lehrgänge gezielt zu unterstützen, den Austausch zwischen Breiten- und Leistungssport zu fördern und die unterschiedlichen Kompetenzen innerhalb der Karatewelt für die gemeinsame Weiterentwicklung der Sportart zu nutzen.
