Verfasst von Erik Golowin und Luca Rohner

Mit taktischer Klarheit und beeindruckender Konstanz sichert sich Elena Quirici in Rom ihren zehnten Sieg in der Karate One Premier League. Der Erfolg ist Ausdruck einer Karriere, die seit Jahren Massstäbe im internationalen Kumite setzt.

Mit beeindruckender Ruhe, taktischer Reife und höchster Präzision hat Elena Quirici bei der Karate One Premier League in Rom einmal mehr ihre Ausnahmestellung im internationalen Karate unter Beweis gestellt. Die Schweizerin gewann das Finale der Kategorie Kumite -68 kg gegen die Französin Thalya Sombe (amtierende Weltmeisterin) mit 2:1 und sicherte sich damit nicht nur die Goldmedaille, sondern zugleich ihren zehnten Turniersieg in der bedeutendsten Liga des Weltkarate.

Ein Weg durch die Weltelite

Der Weg zu diesem Erfolg führte durch ein Feld, das kaum stärker hätte besetzt sein können. Bereits in der Vorrunde traf Quirici auf hochklassige Gegnerinnen wie Silvia Semeraro, Hanna Devigili und Feryal Abdelaziz. In diesen Round-Robin-Kämpfen zeigte sie eine Mischung aus Kontrolle und Effizienz, die ihr den Gruppensieg und den Einzug in die K.o.-Phase sicherte. Besonders bemerkenswert war dabei, wie konsequent sie das Tempo bestimmte und ihren Gegnerinnen kaum klare Angriffsmöglichkeiten gewährte.

Im Halbfinale wartete mit Elina Sieliemienieva eine taktisch sehr disziplinierte und bewegungsstarke Gegnerin – eine Athletin, die den Kampf über präzise Distanzarbeit und sauberes Timing strukturiert. Quirici entschied diese Begegnung mit 2:0 für sich, doch das Resultat spiegelt vor allem ihre konsequente Kontrolle wider. Der Kampf entwickelte sich zu einem strategisch geprägten Duell auf höchstem Niveau: Sie bestimmte die Distanz, unterband Sieliemienievas Versuche, über strukturierte Vorwärtsbewegungen Initiative zu entwickeln, und liess kaum klare Angriffssituationen zu. Beide Punkte fielen aus kontrollierten, sauber vorbereiteten Aktionen – Ausdruck ihrer Geduld und Präzision. Es war ein Sieg der Kontrolle über die Struktur, der Antizipation über das Timing – und ein Zeichen taktischer Reife auf höchstem Niveau.

Anpassung als Schlüssel im Final

Im Final gegen Sombe änderte sich die Charakteristik des Kampfes spürbar. Die Französin agierte offensiver, suchte häufiger den Austausch, wodurch ein dynamischerer Kampf entstand. Quirici reagierte darauf mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit. Sie blieb nicht in der reinen Kontrolle verhaftet, sondern setzte gezielt eigene Akzente, ging im richtigen Moment mit und entschied den Kampf über Timing und Präzision. Auch nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich bewahrte sie ihre Ruhe und nutzte die entscheidende Gelegenheit zum 2:1, bevor sie die Schlussphase mit souveränem Distanz- und Zeitmanagement kontrollierte.

Dieser Turniersieg ist mehr als nur ein weiterer Erfolg in einer ohnehin eindrücklichen Karriere. Mit nun zehn Siegen in der Karate One Premier League und über 30 Medaillen in dieser höchsten internationalen Serie gehört Elena Quirici zu den erfolgreichsten Kumite-Kämpferinnen ihrer Generation. Besonders hervorzuheben ist dabei nicht nur die Anzahl der Erfolge, sondern deren zeitliche Spannweite: Über nahezu ein Jahrzehnt hinweg behauptet sie sich konstant an der Weltspitze – vor und nach den Olympischen Spielen, gegen wechselnde Generationen von Gegnerinnen und unter sich stetig entwickelnden Wettkampfbedingungen.

Was Quirici in Rom gezeigt hat, war letztlich die Essenz ihres Karate: die Fähigkeit, Kämpfe zu lesen, sich taktisch anzupassen und in entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung zu treffen. Ihr Sieg ist kein lauter Triumph, sondern ein leiser, kontrollierter – einer, der gerade deshalb so eindrücklich wirkt.

Weitere Schweizer Resultate im Überblick:

  • Yuki Ujihara (Kata) konnte einen wichtigen 4 zu 3 Sieg gegen Duran Kutluhan (TUR) erzielen. In einer starken Gruppe mit der aktuellen Weltnummer 1 aus Japan reichte es jedoch als Gruppendritter nicht für den Einzug ins Viertelfinale.
  • Maya Schärer (-50 kg) zeigte eine starke Leistung und konnte zwei ihrer drei Kämpfe in der Gruppenphase gewinnen, unter anderem gegen die amtierende Europameisterin aus Kroatien, Ema Sgardelli. Eine kleine Unaufmerksamkeit in den Schlusssekunden gegen Sara Tsutsumi (JPN) kostete sie den Sieg und damit den Einzug ins Viertelfinale.
  • Nina Radjenovic (-61 kg) hatte eine anspruchsvolle Gruppenauslosung, unter anderem mit der Weltnummer 2 aus Kasachstan, Assel Kanay. und konnte sich dieses Mal leider nicht durchsetzen.
  • Fabienne Carneiro (+68kg) zeigte einen beherzten Auftritt, musste sich allerdings in den ersten beiden Kämpfen der Gruppenphase knapp mit 1:2 geschlagen geben. Den dritten Kampf konnte sie klar mit 4:0 für sich entscheiden. Leider reichte es Fabienne als Gruppendritte nicht fürs Viertelfinale.

 Results Book Karate One Premier League Rome 2026 

Frauen

-50 kg (32)

Schärer Maya (27 Jahre)

2:4 TSUTSUMI SARA (JPN)
6:5 SGARDELLI EMA (CRO)
5:0 KONTOU IRENE (CYP)

Kein Start in Kata und Kumite female -55 kg

-61 kg (32)

Radjenovic Nina (27)

2:5 KANAY ASSEL (KAZ)
0:0 GRAZIOSI AURORA
0:1 TOPALOVIC LEJLA (AUT)

 -68 kg (32)

Quirici Elena (32) – Rang 1

 1:0 SEMERARO SILVIA (ITA)
1:0 DEVIGILI HANNA (AUT)
0:0 ABDELAZIZ FERYAL (EGY)
0:0 HENDY HADIR (EGY)
2:0 SIELIEMIENIEVA ELINA (UKR)
2:1 SOMBE THALYA (FRA)

+68 kg (32)

Fabienne Carneiro (29)

1:2 MULOLO OPHELIE (BEL)
1:2 FLEISCHER DORA (HUN)
4:0 STAMER SELINA (GER)

Männer

Kein Start in den Kumite-Kategorien

Kata (32)

Ujihara Yuki (24)

4:3 DURAN KUTLUHAN (TUR)
2:5 PANAGIA GIUSEPPE (ITA)
0:7 NISHIYAMA KAKERU (JPN)

Medaillenspiegel (51)
1) Elena Quirici, 10x Gold, 12x Silber, 10x Bronze, Total 32
2) Fanny Clavien, 4x Gold, 3x Bronze
3) Kujtim Bajrami / Ujihara Yuki, je 1x Silber
5) Maya Schärer, 3x Bronze
6) Jessica Cargill, 2x Bronze
7) Marilena Rubini Volante / Jana Gfeller / Noémie Kornfeld / Ramona Brüderlin / Noah Pisino je 1x Bronze.

Vielen Dank auch an Daniel Brunner und Linh Pham für ihren Einsatz in Rom!

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