Franco Pisino mit den vier Goldmedaillen und dem Pokal als Team-Europameister

Es gibt gute Nationaltrainer, hervorragende Nationaltrainer, dann gibt es einige wenige in den Spähren des globalisierten Weltsports. Viele grosse Namen mit eindrücklichen Palmarés. Seit dem 12. Mai 2018 ist im Karate ein Name dazu gekommen: Franco Pisino. Schweizer Nationaltrainer Kumite seit 2001. In Neuchâtel geborener Italiener mit leidenschaftlich-feurigem Temperament. Immer auf die höchste Zielsetzung fokussiert. Handeln voller Power. Gestik und Mimik nehmen einen grossen Part der Kommunikation ein. Ein Leben voller Leidenschaft und Hingabe für das Karate. Immer auf den Tatamis, Woche für Woche in Magglingen. Einer, der in den entscheidenden Momenten seine Energie auf die Athletinnen übertragen kann. 

Alle wollen an den Welt- und Europameisterschaften, an den Karate1 Premier League und Series A Turnieren, an den bestbesetzten Events, gewinnen. Die Welt Nr. 1 im Ranking sein. Letzteres glückte ihm mit Fanny Clavien 2014 in der Kategorie +68 kg und dieses Jahr mit Amélie Voegelin -47 kg Jugend und Elena Quirici bis 68 kg.

Voraussetzung dazu, als Nationaltrainer erfolgreich zu sein, ist die alles entscheidende Basisarbeit zu vor in den Dojos bei den persönlichen Trainern. Hier wird die Leistungsmotivation gelegt. Hier entscheidet sich, welchen Weg die Athletinnen einschlagen und ob der duale Weg Ausbildung/Leistungssport richtig und nachhaltig initiiert wird.

Dazu kommt der starke Wille der Athletinnen sich auf internationaler Ebene durchzusetzen, zu den Besten zu gehören. In diesem Prozess keine Kompromisse zu machen. Ausbildung, soziales Leben konsequent auf den Leistungs-Sport ausrichten. Eine Zeit, die nur wenige Jahre dauert und in der alle gewinnen wollen. Wo alle wissen, dass viele Faktoren den Erfolg beeinflussen. In die ein Nationaltrainer perfekt hineinpassen muss. Ein „Special One“, „ein Besonderer“ sein muss.

Pisino kennt in seinem Ehrgeiz keine Zeit zum Innehalten. Er weiss, dass man die Technik, die Taktik, die mental-physischen Voraussetzungen, den dualen Weg immer noch weiter verbessern, perfektionieren kann. Dass er die vielen farbigen Mosaiksteine, die für eine herausragende Leistung im Wettkampf nötig sind, bestmöglich zusammenbauen muss.

Dass er als Nationaltrainer in der Verantwortung steht, dass die Athletinnen diese auch unter enormen Belastungsdruck und Stressbedingungen umsetzen können. Athletinnen die nicht zum 08.15 dieser Gesellschaft gehören, sondern weit darüber hinausragen. Zu den Besten Europas, zu den den Besten der WKF gehören wollen.

Und, immer im Bewusstsein: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. EM – WM – EM, der immer wieder kehrende Rhythmus. Dazwischen die Karate1 Turniere. Das grosse Ziel Olympia. Tokyo 2020, Paris 2024.

Der Titel in Novi Sad: Er ist speziell, wurde er doch in einer Sportart errungen, die seit dem August 2016 olympisch ist. In die alle Länder viele neue personelle und finanzielle Ressourcen investieren. Wo Amateure heute, und auch schon früher, auf Profis treffen. Und sich Schweizerinnen immer wieder durchsetzen.

Hier ist Franco Pisino zu Hause. Auf der grössten Bühne, die der europäische Karatesport zu bieten hat. Hier gewann er 8x Gold im Elite-Kumite mit Fehmi Mahalla 2015, mit Fanny Clavien 2008/2011/14, Diana Schwab 2011, Jessica Cargill 2013, Elena Quirici 2016 und 2018. Jetzt wollte er endlich, nach WM-Bronze 2006, vier bronzenen EM-Medaillen 2008, 2010, 2012 und 2013, und dem EM-Titel der Regionen 2017, Gold. Nichts anderes.

So eine Chance, das wusste Pisino, hat man nur wenige Male im Leben. Mit der Besetzung Elena Quirici, Ramona Brüderlin, Noémie Kornfeld und Nina Radjenovic (U21 Europameisterin) hatte er sein bestes Team geformt. Wissend, das mit Fabienne Kaufmann, Maya Schärer, Melinda Michel, Dielza Ulluri, Silvia und Anna Hirt, Amélie und Florence Voegelin, Oriane Zumwald, Pauline Bonjour und Shomshanok Benz weitere Top-Athletinnen ganz nach vorne wollen. Bereit sind für den grossen Tag. Das Vertrauen der SKF haben.

Eine Gabe eines Nationaltrainers ist es, viel aus seinen Möglichkeiten zu machen. Authentisch, verlässlich. Die Athletinnen am Tag X, zur Stunde Null, zu ihrer maximalen Wirkung führen. Das alles gelang an diesem 12. Mai 2018 in Novi Sad. Nach der beispiellosen Anspannung die Siegerehrung, die Nationalhymne, das Stemmen des goldenen Pokals.

Es war für die Schweiz ein Karatefest. Historisch, keine Frage. Episch, ohne Zweifel. Dazu stark beigetragen haben die persönlichen Trainer David Baumann/Daniel Humbel/Brigitte Quirici (Elena Quirici), Rudi und Barbara Seiler (Nina Radjenovic) und Giuseppe Puglisi (Ramona Brüderlin). Auch Olivier Knupfer in den Anfangszeiten von Noémie Kornfeld. Und dazu das gesamte sozial-familiäre Umfeld.

Elena Quirici mit Franco Pisino

Am 10. Juni konnte er schon wieder feiern. Elena Quirici gewann ihr erstes Karate1 Premier League Turnier. Schon im Vorjahr hatte sie in Istanbul gewonnen. 2017 klassifiziert als Karate1 Serie A Turnier.

Am Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin, 14.-16. September, dann in Tokyo, 12.-14. Oktober und der Jahreshöhepunkt mit den Weltmeisterschaften in Madrid, 6.-11. November, sind die nächsten Rendez-vous. Zuerst aber erfolgte der Empfang für Franco Pisino und seine Europameisterinnen am 18. Juni bei Bundesrat und Sportminister Guy Parmelin im Berner Hof. Karate-Freude herrscht.


Franco Pisino, Nina Radjenovic, Noémie Kornfeld, Bundesrat Guy Parmelin, Elena Quirici, Ramona Brüderlin (beide zur Zeit in der Spitzensport-RS)

Und da wäre noch ein grosses Ziel: Irgendwann, wenn alles stimmt, einen Weltmeistertitel für die Schweiz. Die Chancen dazu stehen gut, 36 Jahre nach Javier Gomez 1982 in Taipei. Er glaubt daran.

Roland Zolliker, Zentralpräsident SKF

 

Share →